Vorlesungsreihe 2018: Das politische Denken. Politische Ideengeschichte und die großen Herausforderungen unserer Gegenwart in zehn Erkundungsschritten

In seiner Veranstaltungsreihe im Sommersemester 2018 auf dem Gutenberg-Campus wird Herfried Münkler eine Brücke von der Politikwissenschaft über die politische Philosophie hin zur Geschichtswissenschaft schlagen. Unter dem Titel "Das politische Denken. Politische Ideengeschichte und die großen Herausforderungen unserer Gegenwart in zehn Erkundungsschritten" sollen zentrale Themen und Stationen des Nachdenkens und Vordenkens über das Politische beschrieben werden – keineswegs nur in historischer Absicht, sondern auch mit dem Ziel, daraus Fingerzeige und Hinweise für den Umgang mit gegenwärtigen Herausforderungen zu gewinnen. Gemeinsam mit renommierten Gästen wird sich Herfried Münkler mit Fragen nach dem Staat und seiner Räson, Imperien und ihrem Anspruch auf Weltherrschaft, nach Tyrannis und Diktatur, Krieg und neuen Kriegen und nicht zuletzt nach der ordnungsstiftenden Kraft der Verfassung auseinandersetzen.
 

Exposé zur Vorlesungsreihe

von Herfried Münkler

Politisches Denken, „das Politische“ denken

In der europäischen Tradition beginnt das politische Denken bei den Griechen; sie haben „das Politische“ als einen Bereich entdeckt, der sich deutlich vom Leben im Haus unterscheidet, der eigene Gesetzmäßigkeiten hat und für den eigene Normen und Imperative entworfen werden. Seitdem ist in unterschiedlicher Intensität, jedoch fast immer kontrovers über das Politische nachgedacht worden. In der Vorlesung des Sommersemesters 2018 sollen zentrale Themen und Stationen dieses Nachdenkens und Vordenkens beschrieben werden – keineswegs nur in historischer Absicht, sondern auch mit dem Ziel, daraus Fingerzeige und Hinweise für den Umgang mit gegenwärtigen Herausforderungen zu gewinnen.

Im Unterschied zu den meisten Wissenschaften, deren Geschichte bloß für den Weg zum gegenwärtigen Wissensstand steht und die man nicht kennen muss, um ein guter Vertreter des Fachs zu sein, stellt die Geschichte des politischen Denkens von seinen Anfängen bis heute eine Ressource bei der Orientierung im Gegenwärtigen und der intellektuellen Erfassung aktueller Herausforderungen dar. Doch die Geschichte des politischen Denkens ist nicht nur ein Scheinwerfer zur Ausleuchtung der Gegenwart, sondern auch eine Ansammlung von Irrtümern und Fehldiagnosen, die man kennen sollte, um ihnen nicht ein zweites Mal zu verfallen. Insofern ist jede Beschäftigung mit dem Denken „des Politischen“ ein riskantes Unternehmen: Man muss auf der Hut sein, wenn man etwas finden will, das einem politisch weiterhilft.

Die skizzierte Denkbewegung ist indes bereits in der Vergangenheit vollzogen worden; weil die Geschichte des politischen Denkens immer wieder als Ressource zur Erklärung der je eigenen Probleme genutzt worden ist, kann das Abschreiten ihrer Etappen zu einer Begegnung mit denen werden, die diesen Weg zu einem früheren Zeitpunkt bereits gegangen sind. Das kompliziert die Spurensuche, macht sie aber letztlich noch spannender und überraschender.